»Jedes Gespräch ist ein Erfolg!«

Achim Keßler erklärt gesetzliche Grundlagen und gibt einen Einblick in Suchtmittel.
Achim Keßler erklärt gesetzliche Grundlagen und gibt einen Einblick in Suchtmittel.

Ortstermin in einer Admiral-Spielhalle in Bingen. Präventionsberater Achim Keßler besucht die Servicekräfte der Spielhalle für ein Teamgespräch zum Thema Prävention. „Erzählt doch mal von den letzten Präventions-Gesprächen mit euren Gästen,“ fordert er die Mitarbeiter auf. Vor ihm sitzen fünf Servicekräfte der Spielhalle, die Atmosphäre ist locker und entspannt. Man merkt, die Mitarbeiter sind diese Art von Teamgesprächen gewohnt. Nach der ersten Aufwärmrunde geht’s los: „Kommt jemand in eure Spielhalle und möchte einen Angehörigen sperren lassen. Dürft ihr das?“ – „Wenn ihr einen Gast, der euch aufgefallen ist, ansprechen wollt: Wie solltet ihr das am besten tun?“ – „Dürft ihr für eure Gäste Geld verwalten?“ Mithilfe von Fragekarten prüft Achim Keßler das Wissen der Servicemitarbeiter zum Thema Spielerschutz.

Für Mitarbeiter und Gast

GSP-Präventionsberater Achim Keßler schulte am 30. Oktober Servicekräfte acht Stunden lang in Bingen.
GSP-Präventionsberater Achim Keßler schulte am 30. Oktober Servicekräfte acht Stunden lang in Bingen.

Achim Keßler ist Präventionsberater der Gesellschaft für Spielerschutz und Prävention (GSP) und betreut rund 50 Spielhallen der drei GSP-Gründungsmitglieder Löwen Play, Löwen Entertainment und Schmidt Gruppe. Seit 2015 ist der gelernte Soziologe und Kriminologe Präventionsberater. Kontakt mit dem Thema Glücksspiel hatte er bereitswährend seines Studiums, als er in Spielbanken als Croupier gearbeitet hat. Er mag das Glücksspiel, sagt er, auch wenn er privat lieber Brettspiele spiele. In der Mitarbeiterrunde bei Admiral geht es auch um die Gäste, die die Servicekräfte an Achim Keßler vermittelt haben. Das sind Erfolgsgeschichten. „Ihr sollt die Gäste informieren“, weist Keßler die Servicekräfte an. Für eine Beratung sei er zuständig, wenn

sich Gäste bei ihm gemeldet haben. Er trifft sich dann mit dem Gast an einem neutralen Ort, „unverbindlich“, wie er sagt, „alles kann, nichts muss“. „Sagt bei Gesprächen mit Spielgästen besser nicht ,Präventionsberater‘, sprecht von einem Kollegen, der Erfahrung im Umgang mit Spielberatung hat“, sagt Keßler noch. Er berate übrigens auch die Angehörigen von Spielgästen. Auch denen können die Servicemitarbeiter seine Telefonnummer mitgeben. 2017 gab es insgesamt 4.000 Kontakte zwischen den GSP-Präventionsberatern und Spielgästen, alle waren kostenlos.

Bezug zur Praxis ist wichtig

„Wichtig für meine Arbeit mit den Servicekräften ist der Praxisbezug“, erklärt Achim Keßler einen Tag später, als wir ihn bei einer Präventionsschulung in Bingen wiedertreffen. „Ich weiß aus meiner Erfahrung genau, in welche Situationen Servicekräfte in einer Spielhalle kommen können.“ Wichtig sei auch, so Keßler, dass er genau wisse, was alles zu den Aufgaben einer Servicekraft gehört. „Wenn Gäste nicht angesprochen werden wollen, nützt es gar nichts, auf den Gast einzureden. Dann hat die Servicekraft mit der Ansprache des Gastes ihre Verantwortung wahrgenommen. Im Anschluss müssen sie das natürlich noch dokumentieren“, sagt Keßler. Und: Jedes Gespräch sei ein Erfolg!

 

 

Hand zur Hilfe reichen

16 Präventionsberater hat die GSP, hier mit GSP-Geschäftsführer Holger Werner (oben rechts) und Julia Fichtner, kaufmännische Leitung bei GSP (oben links), unten rechts: Achim Keßler.
16 Präventionsberater hat die GSP, hier mit GSP-Geschäftsführer Holger Werner (oben rechts) und Julia Fichtner, kaufmännische Leitung bei GSP (oben links), unten rechts: Achim Keßler.

Die Servicekräfte mit den gesetzlich vorgeschriebenen Präventionsaufgaben vertraut machen, ist dann auch das Ziel einer Präventionsschulung. Vor Achim Keßler sitzen heute elf Teilnehmerinnen  und Teilnehmer. Ältere und jüngere, mal mit weniger, mal mit mehr Erfahrung als Servicekraft in Spielhallen, aus ganz Rheinland-Pfalz. Gleich zu Beginn fordert Achim Keßler die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schulung auf, ihm Erfahrungen aus ihrer Praxis zu schilder. Dabei merkt man schnell, dass er selbst aus der Praxis kommt. Alle Servicekräfte sind an diesem Tag sehr aufmerksam – und das liegt nicht an der „Lernzielkontrolle“, die am Ende des Tages zur Erlangung eines Zertifikats ansteht. Sie möchten ihr Wissen erweitern. Sie haben aber außerdem immer wieder drängende Fragen, lassen sich erklären, was Sucht eigentlich ist und wie sie sich ausdrückt. „Ihr könnt euren Gästen die Hand reichen, das ist sehr viel wert“, erklärt Achim Keßler. Für alles Weitere seien er und die Hilfesysteme zuständig.

So geht das aktive Zuhören

Und dann gibt es noch ein Rollenspiel: Die Servicekräfte sollen dabei lernen, auf welche Art und Weise sie auffällige Gäste ansprechen können. Diese „aktive Ansprache des Gastes“ nimmt großenRaum während der Schulung ein. Die Teilnehmer lernen, dass sie manchmal ein Gespräch abbrechen müssen, um bei anderer Gelegenheit auf den Präventionsberater hinzuweisen. Sie lernen Techniken wie „aktives Zuhören“ und was neurologisch passieren muss, um ein problematisches Spielverhalten tatsächlich ändern zu können.

Erwartungen wurden erfüllt

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schulung bestehen an diesem Dienstag den Abschlusstest und bekommen ein Zertifikat ausgehändigt. „Wir haben ja zu Beginn gesagt, dass ihr ehrlich sagt, ob ihr die Schulung gut fandet“, appelliert Achim Keßler zum Abschluss der Schulung an die Servicekräfte. Und jeder darf sich dazu äußern, ob seine Erwartungen, die am Anfang der Schulung formuliert wurden, erfüllt worden sind. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Von allen elf Teilnehmerinnen und Teilnehmern gibt es ein dickes Lob, die Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Die Servicekräfte gehen gestärkt aus der Schulung und man hat den Eindruck, dass sie gut auf das nächste Gespräch mit einem Gast vorbereitet sind. So wurde also in dieser Schulung das Ziel erreicht. Daumen hoch!

Die GSP-Präventionsberater

Bislang einzigartig in der Automatenbranche: die Präventionsberater. Sie, sind der zentrale Ansprechpartner für die Servicemitarbeiter, beraten aber auch Spielgäste bei Fragen zu ihrem Spielverhalten. Neu seit 2018: Die GSP hat sich als Schulungsanbieter akkreditieren lassen. In Bayern, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen-Anhalt führen die GSP-Präventionsberater die Schulungen durch, in Hessen und BaWü sind der AGJ Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg und die eva Evangelische Gesellschaft Stuttgart dabei Kooperationspartner. In NRW, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern laufen zurzeit noch die Akkreditierungsverfahren.

Vollständiger Bericht: games & business

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